SARAJEVO WOCHENENDE
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Der Regen hatte immer noch nicht nachgelassen, als wir uns vor dem erleuchteten Rathaus für die Stadtführung versammelten. Hier startete die Tour unserer Stadtführerin, der Frau unseres Gastgebers. Dass sie ein Talent dafür hatte bemerkten wir alle schnell: die Qualität der Führung war besser, als wir es selbst von professionellen Stadtführern kannten. Einmal quer durch die Altstadt ging unsere Tour, und damit auch die Geschichte Sarajevos. Da Sarajevo’s Altstadt in einem Talkessel lag, wuchs die Stadt sehr einseitig mit der Zeit. Bewegt man sich entlang dieser Achse, schreitet man Epoche für Epoche durch die Geschichte Sarajevos. Hier unterscheiden sich v.a. drei Teile voneinander: der osmanisch-türkische Teil bis ins 19. Jh., der neuere österreichische Teil, sowie der yugoslawische Teil aus dem 20. Jh. Von muslimischen Moscheen bis hin zu christlichen Kirchen und Fassaden, wie man sie aus Wien kennt.
Die Tallage Sarajevos hat aber auch einen großen Nachteil: gerade im Winter, wenn viel Kohle verheizt wird, klettern die Smog-Werte auf globale Höchststände und machen denen in indischen Metropolen Konkurrenz. Ein Glück wurden wir davon verschont: heizen durften die Bosnier während unseres Aufenthalts noch nicht: Es war zwar verdammt kalt an unserem ersten Tag, aber es muss ersteinmal ein paar Tage am Stück kalt sein, bevor in Sarajevo geheizt werden darf!
Gegen Ende der Führung kamen wir noch zum Denkmal der ewigen Flamme. 1425 Tage wurde Sarajevo im Bosnienkrieg belagert. 1425 Tage wurde Sarajevo verteidigt. Tausende sind gefallen – nur, dass sich heute jemand an der ewigen Flamme die Schuhe trocknen kann. Den symbolträchtigen Schein des Feuers trübte dieser Anblick etwas, aber am nächsten Tag konnten wir sie zum Glück nochmal ungestört sehen.



Abends ging es noch in die angeblich beste Pizzeria der Stadt. Dazu können wir nur sagen: hebt euch den Pizza-Hunger für Zuhause oder den nächsten Italienurlaub auf und bleibt in Sarajevo beim Chevapcici! Von der Pizzaria fuhren wir wieder nach Hause und parkten fix auf dem nächstgelegenen freien Parkplatz. Da wir von Nürnberg eine längere Parkplatzsuche gewohnt waren, waren wir erstmal positiv überrascht: Lange sucht man in Sarajevo nicht nach einem freien Parkplatz… bis uns dann erklärt wurde, dass man in Sarajevo nicht irgendeinen leeren Parkplatz sucht – man sucht einen leeren Parkplatz unter einer Laterne! …damit einem Nachts in der Dunkelheit niemand das Auto aufbricht! Also wurde nochmal kurz umgeparkt…
Auch am nächsten Tag zog es uns nochmal in die Altstadt. Von der gelben Bastion hatten wir bei gutem Wetter endlich einen tollen Blick über die Stadt. Zumindest in die eine Richtung gab es einen tollen Blick. In die andere Richtung sah man einen Haufen Sperrmüll… Im nächst besten Cafe gönnten wir uns noch einen bosnischen Kaffee – dazu gibt’s immer einen Gummibär-artigen Würfel, der nach Rosenparfum schmeckt. An einem schicken hölzernen Brunnen tummelten sich hunderte Tauben und erzeugten einen einzigartigen Anblick. Und endlich konnten wir die Altstadt mit ihren Moscheen und Märkten auch bei Tageslicht sehen. Auch eine altertümliche Markthalle hatte diesmal noch geöffnet. Wo früher wahrscheinlich teure Teppiche und Textilien gehandelt wurden, findet man heute alles was das Talahonherz höher schlagen lässt: von Gucci-Taschen über Rolex-Uhren bis hin zu dicken Sonnenbrillen. Wie viel davon echt ist sei mal dahingestellt. Was wir suchten, gab es allerdings nicht: schöne Postkarten… hier gibt’s wieder nur Postkarten mit ausgeblichenen Fotos und hässlichen Word-Arts aus den 90ern.



Damit gingen unsere letzten Stunden in Sarajevo zu Ende. Wir mussten wieder zurück zur Unterkunft und langsam anfangen zu Packen. Nach zwei Tagen Sarajevo, dutzenden Cevapcici, einer umfangreichen Stadtführung, mehreren Tassen bosnischen Kaffee und einem schönen Ausblick über die Stadt hatten wir auch inzwischen das Gefühl alles wichtig gesehen und gekostet zu haben.
Da wir keine naheliegende Öffi-Verbindung zurück ausmachen konnten, liefen wir einfach die halbe Stunde zurück zu unserer Unterkunft – bei der Trägheit des Verkehrs war das wahrscheinlich sowieso die Richtige Entscheidung. Großen Verfechtern des städtischen Individualverkehrs kann ich an der Stelle nur einen Abstecher nach Sarajevo empfehlen: vielleicht lernt man beim endlosen stop-and-go Verkehr auf Sarajevo’s Straßen während der Rush-Hour die Vorzüge einer U-Bahn zu verstehen. Ich hab sie jedenfalls vermisst. Nur ein paar Trams bringen einen hier etwas schneller von A nach B, aber auch nur entlang der Hauptachse. Wo Sarajevo überraschend Fortschrittlich ist, sind Busse mit Oberleitungen! Wer dachte, da hat die lokale Regierung mal was springen lassen, den muss ich aber enttäuschen: Finanziert wurden die Dinger mit EU Krediten… unser Steuergeld bleibt also unser treuester Reisebegleiter.


…weiter geht die Geschichte mit der Abreise:

