SARAJEVO WOCHENENDE
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Am nächsten Morgen begrüßte uns zum Glück die Sonne. Und die hat gleich stolze Arbeit geleistet: der ganze Schnee des Vortags war geschmolzen und statt weißer Landschaft begrüßte uns eine Heerde Schafe vor dem Haus! Das war nun die gefühlt dritte Jahreszeit, die wir in drei Tagen mitgemacht haben… aber auch ein willkommener Anblick, nach einer so kalten Nacht.


Dass das hier Weideland ist, erklärt zumindest, warum hier überall Weidezaun gezogen ist. Was es allerdings nicht erklärt ist, warum der Weidezaun nie durchgezogen ist, sodass man von abgetrennten Weideflächen sprechen könnte. Vielmehr ziehen sich die Zäune hier durch die Landschaft wie Linien auf einem modernen, abstrakten Gemälde: ohne jedes System und ohne Sinn und Verstand. Entsprechend würde uns mal interessieren, wie die Eigentumsverhältnisse in Bosnien eigentlich geregelt sind…?!
Während des Frühstücks wurde das Tagesprogramm ausgearbeitet. Unser federführender Gastgeber entpuppte sich hierbei als KI-Chatbot Power-User, und so war im handumdrehen ein “Programm für eine 10- bis15-köpfige Ex-Studienkollegen-Gruppe samt Verpflegung, Abfahrtszeiten und Packliste” generiert und herumgeschickt!
Höhepunkt des Tagesprogramms: die Höhlen des Naturpark Bijambare.
Der Naturpark war gleich ums Eck, schnell ausgemacht, bot haufenweise Parkplätze und erstmal einen unkomplizierten Kartenverkauf. Trotz des schönen Wetters war zum Glück nicht viel los, und so schritten wir Richtung Höhlen. Auf halbem Wege kam dann aber ein zweites Kassenhäuschen, das unser Vorankommen unterband. Die ersten Karten hatten wohl nur den, zwar schönen, aber auch relativ unspektakulären Waldweg bezahlt. Für die Höhle wurden wir erneut zur Kasse gebeten. Auch hier wurde zwischen Einheimischen und Touristen unterschieden, und wir zahlten entsprechend den teuersten Eintrittspreis. Ein Plädoyer an Gerechtigkeit und Antidiskriminierung seitens unseres Gastgebers, der halb auf Bosnisch, halb auf Englisch auf die Kassierin einredete, hat uns leider auch keinen Rabatt eingefahren. Mit dem zweiten Satz Tickets in der Tasche ging es nun weiter zum Höhleneingang. Dass man die Höhle nur zu ausgewählten Zeiten betreten kann, hatten wir auch nicht auf dem Schirm – aber manchmal hat man Glück: die nächste Öffnung war in wenigen Minuten und bisher waren wir die einzigen, die am Eingang warteten. Die Rangerin, die uns schließlich in die Höhle ließ, war uns direkt sympathisch. Sie erzählte von Familie und Verwandtschaft, die in allerlei deutschen Städten verschiedenen Berufen nachging. Derlei Geschichten hört man hier öfter, weshalb man hier als Deutscher auf viel Wohlsinn trifft.



Die Höhlen selbst waren ein atemberaubender Anblick. Tausende Stalaktiten hängen von der hohen Decke. Eine Höhlenkammer gigantischer als die Nächste. Dank der geschwungenen Deckenwölbung hatte die Höhle angeblich auch eine phänomenale Akustik – das wurde sofort überprüft, indem wir “Hoch auf dem gelben Wagen” anstimmten. Neben der Tropfsteinhöhle gab es auf einer kleinen Anhöhe noch einen zweite, kleine Höhle, aus der man einen fantastischen Blick über die Wälder hatte. Ohne je in Kanada gewesen zu sein, stelle ich es mir ungefähr so ähnlich auch vor. Auf einer Parkbank ließen wir hier den Besuch ausklingen.

Während wir durch den Naturpark wieder zurück zum Auto liefen erklärte uns unser Gastgeber, was es mit unserem und ähnlichen Ferienhäusern in Bosnien auf sich hat.
In den Sommermonaten zieht es wohl haufenweise Araber nach Bosnien, einerseits auf der Flucht vor Hitze, andererseits auf der Suche nach einem landschaftlichen Kontrast zu endlosem Sand. Als primär muslimisches Land eignet sich Bosnien da besonders – hier hallt Muezzin Gesang durch die Täler und Moscheen laden zum Gebet.
Die Abgelegenheit der Ferienhäuser erlaubt es den Scheichs der arabischen Mittelschicht hier auch mal etwas lockerer Urlaub zu machen. Man munkelt, dass die Scheichs in den Häusern gerne nackt mit ihrem ganzen Harem herumspringen…
Am Abend wurde dann noch der Backstein-Grill vor dem Haus aktiviert und ein paar Kilo Cevape und Sucuk Wurst gegrillt. Spätestens ab dem Zeitpunkt, ab dem wir die ausufernde Hitze des Grills mit literweise bosnischem Bier ablöschten, wurde unser halal Fleisch dann haram, aber das störte bei uns niemanden. Die verbranntesten unserer Cevapcici bekamen ein paar streunende Katzen die uns am Grill Gesellschaft leisteten, aber selbst die waren davon nicht angetan.


Nach einer kurzen Tanzeinlage in der Küche, die spontan zu einem Dancefloor umfuntioniert wurde, ging’s wieder ins Bett – diesmal ging die Temperatur nachts zum Glück nicht ganz so tief runter. Am nächsten Morgen räumten wir das Ferienhaus. Gepäck und Leute wurden auf die Autos verteilt; eine fuhre Müll wurde in den Müllcontainer in der Pampa an der Hauptstraße geworfen. Dass hier alles im selben, unbeschrifteten Container landet, schmerzt etwas im deutschen Mülltrenner-Herz, aber: andere Länder – andere Sitten.

Tag 3

