SARAJEVO WOCHENENDE
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Kiloweise leckeres Cevapcici für billig Geld, Balkan Mucke und geile, bergige Natur. Wer hat da nicht Bock? Aber erstmal muss man in Deutschland eine Flug nach Sarajevo finden! Unser Nürnberger Flughafen kann da schon mal nicht dienen, weshalb wir erstmal schauen mussten, ob wir die Einladung für ein “Klassentreffen” von Anna’s ehemaligen Studienkollegen in Sarajevo überhapt annehmen konnten.
Wo wir dann doch fündig wurden, war Memmingen. Wie praktisch, dass Anna aus dem Allgäu kommt und wir deshalb die Nacht vorher bei ihrer Familie schlafen konnten. Dass die ganze Anreise dadurch eine vierstündige Zugfahrt mit der Deutschen Bahn, eine Übernachtung im Allgäu und eine einstündige Autofahrt (zu gottlos früher Stunde) länger wurde, hielte uns nur fast von dem ganzen Unterfangen ab. Aber eben nur fast – und so kam es, dass wir in den Morgenstunden des Tags der deutschen Einheit am Flughafen Memmingen standen, auf dem Weg in den Balkan…
Und der Balkan begann für uns nicht etwa mit der Landung in Sarajevo – er begann bereits in Memmingen. Schon am Gate stellten wir fest, dass wir neben wenigen Ausnahmen dort wohl die einzigen deutschen Touristen waren. Klar – wer will schon Anfang Oktober in die regnerische Kälte fliegen, wenn Sonne und Strand ans Mittelmeer locken? Der Rest des gut gefüllten Fliegers waren Bosnier auf Heimatbesuch.
Praktischerweise konnte v.a. Anna sich so schon im Flugzeug auf die bosnische Kultur einstellen: dort wird nämlich noch Macho-gehabe gelebt. Konkret heißt das, dass man sich als cooler Typ dort überall schön breitbeinig hinsetzt – auch in Flugzeugen. Von der Quetscherei des bosnischen “manspreadings” hab ich am anderen Ende des Flugzeugs nichts mitbekommen. Da wir immer die Zusatzoptionen der Billigflieger mit derselben Geschwindigkeit wegklicken, wie Cookie Banner auf Webseiten, sitzen wir selten bei Kurzstreckenflügen nebeneinander. Zumindest meine Flugzeit war durch unauffällige Sitznachbarn ganz entspannt und ich konnte einen phänomenalen Blick auf ein verschneites Alpenpanorama genießen. Am Flughafen Sarajevo trafen wir nach der Landung gleich die erste Freundin – ihrerseits aus der Schweiz angereist.
Netterweise hat unser, in Sarajevo wohnhafte Gastgeber bereits ein Mietauto geklärt. Wie genau er das gemacht hatte, wurde erst im Laufe des Wochenendes klar – von einem großen Mietwagenanbieter mit Servicehotline, Versicherung und Schadensübersicht etc. war unser VW Passat jedenfalls nicht, aber dazu später mehr.
Bevor wir losfahren konnten musste natürlich noch das Parkticket bezahlt werden! Der Automat sprach da von 5KM. Mein deutsches Hirn hat da sofort 5 Kilometer draus gemacht und überlegt was hier mit 5 Kilometern gemeint sein könnte… bis mir erklärt wurde, dass damit die lokale Währung “Konvertible Mark” gemeint ist – abgeleitet von der “Deutschen Mark” an der sie gekoppelt war. Das macht natürlich mehr Sinn. Unsere EC und Visa Karten wollte der Parkticket-Automat erstmal nicht – wahrscheinlich weil es “nur” Debitkarten sind. Die Kreditkarte unserer schweizer Freundin hat er schließlich gefressen.
Dass Bosnien gar nicht im Euroraum ist, hatte ich bis wenige Tage vor Abflug gar nicht auf dem Schirm! Bei so vielen jugoslawischen Splittern und osteuropäischen EU-Beitrittswellen kann man schonmal den Überblick verlieren, was jetzt zu Europa, EU, Euroraum, NATO und Schengen gehört… aber auch dazu mehr in einem kleinen Politik-Exkurs zu Bosnien später. Dass Bosnien kein EU-Mitglied ist, spürt man als Touri übrigens kaum: man kann gemütlich ohne Visum mit seinem deutschen Personalausweis einreisen und fast alles in Euro bezahlen.
Aber zurück zum Flughafenparkplatz: Nochmal grob die Funktionen des Autos checken und los! Dass ein Blick in den Verstauraum in der Mittelkonsole hier lose Kabelenden offenbarte, ignorierten wir hierbei gekonnt. Schnell wieder Deckel drauf, getreu dem Motto: “aus den Augen, aus dem Sinn”! Der deutsche Verbrenner schnurrte trotz über 300.000km auf der Anzeige noch wie ein Kätzchen und die Vollausstattung deutete darauf hin, dass das Ding vielleicht mal als Dienstwagen über deutsche Autobahnen geheizt ist, bis es aus absehbaren Mangel an TÜV Plaketten von unseren Straßen verwiesen wurde… Dass man in Bosnien bei sowas (und auch generell) nicht so streng ist, lernten wir schnell.
Unsere Fahrt führte uns erstmal zum nächsten DM Drogeriemarkt. Richtig gelesen. Hier findet man DM. Und natürlich Lidl. Und sogar Sparkasse. Die Ähnlichkeit zum deutschsprachigen Raum erklärt sich dadurch, dass Bosnien-Herzegowina Teil von Österreich-Ungarn war. Unser bisschen Verpflegung konnten wir an der Kasse aber dann leider doch nicht mit Euros zahlen. Aber kein Problem: den 10€-Schein, den wir vergeblich der Kassiererin angeboten haben, wechselte uns stattdessen spontan der nächste Bosnier in der Schlange. Die 20KM die er uns dafür gab waren sogar minimal mehr als uns laut offiziellem Wechselkurs zustünden – das Vertrauen in die eigene Währung scheint also nicht besonders groß zu sein!
Eingedeckt mit ein paar Snacks ging es zurück auf die Straße und weiter nach Norden. Unsere gemeinsame Unterkunft, wo wir den Rest der Gruppe treffen würden, war etwas außerhalb der Stadt. Und mit “etwas außerhalb” ist eine Stunde außerhalb der Stadt gemeint – großer Unterschied, wie wir feststellen mussten!

Tag 1

